Digitalisierung gemeinsam gestalten (5): Tröt!

Digitalisierung gemeinsam gestalten (5): Tröt!

(Der Text gehört zur Artikelserie “Digitalisierung gemeinsam gestalten“)

Wir tröten ab sofort!

Damit ist ausnahmsweise aber kein Bezug zum musischen Profil unserer Schule gemeint. Wir möchten stattdessen ein sehr wichtiges digitalpolitisches Zeichen setzen: Wir möchten auch bei der Nutzung sozialer Netzwerke quelloffene, also freie Open-Source Lösungen fördern.

Gute und wirklich soziale Netzwerke sollten bekannter werden. Zum Beispiel eines, dass

  • nicht kommerziellen Zwecken dient
  • und den Menschen nicht auf ein datenlieferndes Objekt reduziert.

Solche Netzwerke gibt es und sie sollten bekannter werden: Es wäre gut, wenn sie „die Dienste von morgen“ (Beckedahl, s.u.) werden.

Daher sind wir ab sofort auf Mastodon, einem sozialen Netzwerk ähnlich zu Twitter. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich dort auch anmelden. Lassen Sie uns gemeinsam ein soziales und gutes Angebot voranbringen!

Die Kurznachrichten heißen Tröts

Die Kurznachrichten dort heißen Tröts, weshalb wir von nun an eben tröten (und bewusst nicht twittern). Wir sind also stolz darauf, Tröten zu sein.

Ausführlicher: Was steckt dahinter?

Auf die Idee hat uns die „Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz“ gebracht bzw. Markus Beckedahl, Internetaktivist und Chefredakteur von netzpolitik.org. Beckedahl hatte auf einem Vortrag gegenüber der Clearingstelle deutlich gemacht, dass die Kirchen eine großartige Infrastruktur und Marktmacht besitzen und daher viel stärker als bislang selber die Digitalisierung gestalten sollten.

Weil die gängigen sozialen Netzwerke aber eben Plattformen für Hass und verrohende Kommunikation sind, bei denen der Nutzer längst keinen Überblick mehr darüber hat, welche persönlichen Daten zu seiner Person gespeichert und anderen zugänglich gemacht werden, verliert er dort immer mehr seine Freiheit und Würde. Er muss damit rechnen, dass Daten zu seiner Person – auch unrichtige Daten – mit Dritten geteilt werden und er auf den Plattformen und darüber hinaus im Internet unter ständiger Beobachtung steht. Soziale Diskriminierung kann dadurch verstärkt werden.

Entsprechend unserem Erziehungsauftrag und unserer Wertevorstellung kann man einer Schülerin oder einem Schüler vor diesem Hintergrund wirklich nur von solchen eigentlich gar nicht „sozialen“ Netzwerken abraten.

Dabei finden wir die Idee hinter den sozialen Netzwerken, nämlich sich miteinander auszutauschen, Entscheidungen transparent zu machen, Mitbestimmung zu ermöglichen und auch die eigene Personalität zum Ausdruck zu bringen (gerade die beliebten Selfies von Kindern und Jugendlichen können ja durchaus der Persönlichkeitsbildung dienen), vorteilhaft.

Aber wie lässt sich dieses Dilemma zwischen eigentlich asozialen, kommerziellen Netzwerken und den eben erwähnten Vorteilen auflösen? Was können wir unseren Schüler:innen empfehlen?

Die Lösung: Dezentrale, nicht-kommerzielle Netzwerke

Die Lösung sind Netzwerke, die nicht kommerziell sind, sondern nur der Gesellschaft verpflichtet sind. Solche Netzwerke setzen quelloffene Software ein, so dass kontrolliert werden kann, dass keine Daten gesammelt werden. Und sie haben Privatsphäreneinstellungen, die nicht versteckt sind, sondern als Standard für alle Nutzer aktiviert sind.

Mastodon ist ein Kurznachrichtendienst wie Twitter, der aber dezentral und nicht kommerziell organisiert ist. Das kostenlose Programm wurde in Deutschland entwickelt. Es kann von jedem installiert werden, so dass sogenannte Instanzen entstehen. Letztere werden von der Software dann automatisch vernetzt, so dass ein großes und vielfältiges soziales Netzwerk entsteht.

Es gibt keine Werbung und keinen Algorithmus, der den Nutzer in eine Schublade steckt und ihm nur einen Teil der Nachrichten anzeigt. Es gibt keine Filterblase und nach meiner Erfahrung keinen Hass und Hetze. Letzteres liegt auch daran, dass sich jede einzelne Instanz Regeln setzt und sich selbst mit Moderatoren reguliert.

Machen Sie mit!

Fördern Sie zusammen mit uns diese Idee. Melden Sie sich noch heute auf Mastodon an. Unten finden Sie Artikel mit Tipps und weitergehenden Erklärungen.

Was ist mit YouTube und facebook?

Unseren Newsletter verschicken wir seit mehr als einem Jahr mit eigener Software und nutzen keinen Drittanbieter dazu. Auch darauf sind wir stolz, denn Ihre Daten werden dadurch nirgendwo anders als bei uns gespeichert. Kein Unternehmen hat darauf Zugriff.

Aber ganz konsequent sind wir noch nicht, denn wir sind aktuell auf YouTube und facebook zu finden. Während wir auf YouTube einfach deshalb dort sind, weil dort unsere Schüler:innen sind, ist unsere facebook-Seite fast schon “eingeschlafen”. Sie war damals zur Kommunikation mit Ehemaligen eingerichtet worden, doch setzen wir seit geraumer Zeit auch hier auf den Ehemaligen-Newsletter. Wir sollten darüber diskutieren, auf facebook zu verzichten. Was meinen Sie? Auf YouTube können wir noch nicht verzichten – aber wir arbeiten an einer anderen Zukunft mit anderen Netzwerken. Oder sollten wir als nächsten Schritt “Pixelfed” wählen, das quelloffene Pendant zu Instagram?

Links aus dem Netz

Ansprechpartner

Cornel van Bebber

Cornel van Bebber

Biologie, Chemie

Herr van Bebber ist verantwortlich für die MINT-Förderung, die Newsletter, die Homepage, digitale Medien an der Schule und dem Medienkonzept und Mitglied der Redaktion der Marienschulnachrichten. Außerdem ist er Klassenlehrer der 8c und LK-Chemie-Lehrer der Q1. Er unterrichtet Chemie, Biologie und ITG.

Leave a Reply

Your email address will not be published.