Du möchtest etwas Sinnvolles nach dem Abi machen? Melissa hat eine Idee

Du möchtest etwas Sinnvolles nach dem Abi machen? Melissa hat eine Idee

Ich bin Melissa und habe im vergangenen Jahr  mein Abi an der Marienschule gemacht. Der eine oder andere kennt mich bestimmt noch ;)

Wisst ihr schon was ihr nach dem Abitur machen wollt? Oder steht Corona euch und euren ursprünglichen Plänen im Weg?

Da ich mir vorstellen kann, dass vielen Abiturient*innen, vor allem in einer Pandemie, die Planung für die Zeit nach dem Abitur schwer fällt, wollte ich euch einen kleinen Einblick geben, wie das Ganze bei mir abgelaufen ist.

Ursprünglich hatte ich geplant, nach dem Abi 6 Monate lang in einem Kinderheim in Indien ehrenamtlich tätig zu werden. Ich wollte, wie viele andere Abiturient*innen auch, ins Ausland gehen um neue Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln, aber auch um eine Lernpause einzulegen bevor ich mich sofort ins Studium oder in eine Ausbildung stürze.

Foto: Mit freundlicher Erlaubnis durch Friedensdorf International

Ich hatte schon alles für meinen Aufenthalt in Indien geplant, da kam Corona dazwischen.

Daraufhin habe ich nach einem sozialen Projekt in Deutschland gesucht, was gar nicht so einfach war.

Heute bin ich sehr dankbar, dass ich vom Friedensdorf International in Oberhausen erfahren habe. Das Friedensdorf ist ein gemeinnütziger Verein, der seit 1967 Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten lebensnotwendige medizinische Behandlungen in Deutschland ermöglicht. Die Kinder haben die unterschiedlichsten Verletzungen, Erkrankungen oder Verbrennungen, die in ihrer Heimat nicht behandelt werden können.

Zahlreiche Kliniken bieten dem Friedensdorf dabei kostenlose Behandlungsplätze an, auf die die Kinder zum Teil direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland verteilt werden. Danach dient das Friedensdorf in Oberhausen als Ort der Rehabilitation, an dem nach dem Krankenhausaufenthalt die Wunden weiter versorgt werden, die Kinder das Laufen oder Greifen mit Prothesen und ebenso den Umgang mit Medikamenten lernen, die sie einnehmen müssen.

Foto: Mit freundlicher Erlaubnis durch Friedensdorf International

Das Friedensdorf arbeitet schon seit vielen Jahren mit verschiedenen Partnerorganisationen in verschiedenen Ländern weltweit zusammen und verbessert durch Projektarbeit auch die medizinische und humanitäre Versorgung vor Ort.

Zur Zeit sind im Friedensdorf überwiegend Kinder aus Angola, Afghanistan, aber auch aus anderen Ländern des zentral-asiatischen Raumes wie Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan.

Es gibt viele Wege, wie man das Friedensdorf unterstützen kann. Einer davon ist die Möglichkeit, ein ehrenamtliches Praktikum in einem der Bereiche des Friedensdorfes zu absolvieren.

Foto: Mit freundlicher Erlaubnis durch Friedensdorf International

Ich habe im September 2020 ein solches, sechsmonatiges Praktikum im Friedensdorf begonnen. Zu Beginn habe ich zwei Monte lang im Lernhaus gearbeitet. Das Friedensdorf hat zwar keinen Bildungsauftrag, es findet also kein typischer „Schulunterricht“ statt, aber, hier können die Kinder ohne Druck oder Pflicht spielerisch lernen. Ich habe an manchen Tagen mit den Kindern gerechnet, an anderen mit ihnen gemalt, gebastelt oder sogar in der Küche des Lernhauses mit ihnen gekocht.

Es war eine tolle Zeit, in der ich die unterschiedlichsten Kinder kennengelernt habe und vor allem, gelernt habe mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten aber auch verschiedenen Lernstufen umzugehen.

Viele afghanische Kinder gehen beispielsweise zu Hause nicht zur Schule, während in Usbekistan – meiner Erfahrung nach – viel mehr Kinder die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen.
Auch hat Afghanistan ein anderes Zahlensystem, während beispielsweise die angolanischen Kinder unsere Zahlen von zu Hause kennen.

Im November wurde ich dann gefragt, ob ich bei der Neuaufnahme von neuen angolanischen Kindern helfen will. Ich habe sofort zugesagt und wurde dann in der sogenannten „ISO“, in der die neuen Kinder zu Beginn von den anderen Kindern getrennt werden sollen, eingearbeitet. Ich habe dort mit einer anderen Praktikantin zusammengearbeitet. Zunächst haben wir die Arbeit als sehr anstrengend empfunden. Nicht nur die Umgewöhnung an die Arbeit im Schichtdienst war nicht einfach, sondern auch an die vielen Aufgaben, die innerhalb eines Dienstes erledigt werden mussten:

Die Kinder mussten beschäftigt und hin und wieder natürlich auch mal getröstet werden, bei manchen Kindern mussten Trink-/Urinkontrollen durchgeführt werden, aufgrund der Pandemie mussten wir bei allen Kindern zweimal pro Dienst Fieber messen und alle Oberflächen desinfizieren, etc. etc…

Auch das Gefühl, für 14 Kinder verantwortlich zu sein, war am Anfang überwältigend. Aber, es hat mir nach jedem Dienst, den wir erfolgreich abgeschlossen haben Bestätigung und neues Selbstbewusstsein gegeben.

Als die „ISO“ aufgelöst werden konnte und die Kinder zu den anderen Friedensdorfkindern durften, hat es sich fast angefühlt, als würde eine kleine Familie aufgelöst werden.

Weil ich danach weiterhin in dieser Form mit den Kindern arbeiten wollte, habe ich danach in den Heimbereich gewechselt und habe auch dort tolle Erfahrungen gesammelt.

Die Arbeit im Friedensdorf hat mich unfassbar bereichert. Die Kinder und ihre Lebensfreude über die kleinsten Dinge – trotz ihrer schweren Erkrankungen – hat mich täglich angesteckt.

Das heißt nicht, dass eine 40 Std. Woche und die Arbeit im Schichtdienst einen zwischendurch mal fertig machen, aber man muss wirklich sagen, dass es sich lohnt, denn die Kinder geben einem verdammt viel zurück.

Als im Februar 2021 33 genesene Kinder aus Afghanistan, Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan nach Hause geflogen sind, durfte ich sie sogar mit zum Flughafen begleiten.

Jetzt steht noch eine wichtige Frage offen:

Bin ich jeden Tag von Mönchengladbach nach Oberhausen gependelt?

Nein, denn es gibt für Praktikant*innen die Möglichkeit, im sogenannten Praktikumshaus, das von allen „P-Haus“ genannt wird, zu übernachten. Es befindet sich direkt auf dem Friedensdorf Gelände, was vor allem praktisch ist, wenn man bereits um 6 Uhr zum Frühdienst erscheinen muss ;)

Das Schönste am gemeinsamen Wohnen waren für mich immer die gemeinsamen Abende, an denen zusammen gekocht, gespielt oder ein Film geguckt wurde.

Auch habe ich den Austausch untereinander als unheimlich wichtig empfunden. Wenn man mal einen anstrengenden Tag hatte, tat es einfach gut Leute um sich herum zu haben, die das Friedensdorf und die Kinder kennen, auch schon ähnliche Tage hatten und einen aufmuntern und motivieren können.

Außerdem ist auch das P-Haus ist sehr international. Vor allem in Japan ist das Friedensdorf sehr bekannt, weshalb es viele japanische Praktikant*innen gibt. Viele lernen nur für ihr Praktikum extra deutsch, was ich immer sehr bewundernswert fand.

Ich schätze das Friedensdorf als einen tollen Ort ein, an dem man viel lernen, sich entwickeln und seinen Horizont erweitern kann. Man nimmt außerdem ganz besondere Erfahrungen und Erlebnisse mit, die einen bereichern und prägen.

Falls jemand neugierig geworden ist, sich für das Friedensdorf und seine Arbeit interessiert oder sich sogar ein Praktikum dort vorstellen könnte, kann er/sie auf der Homepage des Friedensdorfes vorbeischauen:

friedensdorfinternational.de

Sehr gerne könnt ihr auch mich bei Fragen und Ähnlichem kontaktieren.

Dazu schreibt ihr einfach eine E-Mail an Herrn van Bebber, woraufhin er euch
meine Email-Adresse weiterleiten kann :) Ich bin gespannt!

Leave a Reply

Your email address will not be published.