Bischöfliche Marienschule Mönchengladbach

Frauenpower beim Poetry Slam

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  • Marla, Annemarie, Natalie, Pauline und Patricia (v. l. n. r.)

    Am 4.4. fand im Forum der Marienschule der Poetry Slam des Literaturkurses der Q2 statt.

    Die Schüler mussten zu sechs unterschiedlichen Themen, unter anderem „Mein Leben“, „Sehnsucht“ oder „Schmerz“, im Vorfeld jeweils ein Poetry schreiben. Dabei gab es viele Lacher, aber auch sehr tiefgründige und traurige Texte. In jeder Runde wurde die Teilnehmerzahl auf die Hälfte reduziert. Die Jury, bestehend aus drei Lehrkräften, bewertete die einzelnen Poetries mit einem Punktesystem von 1 bis 10. Dabei wurde vor allem auf den Inhalt, die sprachliche Darstellung und auf die Vortragsweise geachtet.

    Die Gewinnerin

    Die Gewinnerin war Natalie G., die mit ihrem sehr gesellschaftskritischen Thema im Finale die volle Punktzahl erreicht hat.

    Der Poetry Slam war für alle Teilnehmer eine tolle und lehrreiche Erfahrung und hat allen viel Spaß gemacht.

    Patricia S.

    Eine Textauswahl

    Vergewaltigung

    Das Thema jetzt wird ziemlich deep. Traurig genug, dass es das überhaupt gibt. Ich würde gerne dazu sagen, dass es mich nicht betrifft. Ich hoffe auch, dass das noch keinem von euch geschehen ist. Aber es ist eben möglich, dass es Bekannte von euch betrifft. Und ihr das vielleicht gar nicht wisst, weil eben niemand gern darüber spricht. Vor allem dann nicht, wenn er selbst betroffen ist. Und aus diesem Grund mach ich das jetzt: 2017 gab es in Deutschland 11282 Fälle der Vergewaltigung, sowie der sexuellen Nötigung. Und das waren nur die Erfassten. Das muss man sich doch echt mal durch den Kopf gehen lassen. Mehr als 11282 Leben, die in nur einem Jahr ruiniert wurden, von jetzt auf gleich. Ich bin immer wieder neu erschreckt von dieser wahnsinnigen Grausamkeit. Ein Viertel der Opfer waren noch nicht mal 21 Jahre alt. Aber manche Menschen machen anscheinend echt vor gar nichts Halt. Leute, die sowas machen, die ekeln mich an. Vielleicht sollte ich Mitleid haben, denn sie sind wahrscheinlich krank. Aber das ist nichts gegen die seelischen Schäden, mit denen die Opfer danach leben. Weil man derartige körperliche und seelische Schmerzen nicht einfach verdrängen kann, selbst beim besten Willen kann das niemand, denn diese Bilder haben sich tief in der Erinnerung eingebrannt und man vergisst niemals wieder. Die Opfer sind danach nicht mehr sie selbst, sie stehen völlig neben sich und stecken dann in einer Körperhülle fest, in der ihre Seele eigentlich nicht mehr zuhause ist. Sie sind verzweifelt und unglaublich aufgewühlt. Ich will mir nicht mal vorstellen, wie sich sowas anfühlt. Und dann wird Ihnen noch gesagt, dass sie es gewollt hätten. Und dass sie selbst die Schuld tragen, weil sie eben die empfohlene Armlänge Abstand nicht eingehalten haben. Leute, die sowas wirklich glauben, haben wahrscheinlich echt einen Schaden. Und dann gibt es noch die, die sagen, man hätte sich einfach anders anziehen müssen. Ich finde das gelinde gesagt beschissen, denn jeder von uns hat die Wahl, was er tut. Aber bei manchen Menschen funktioniert die Moral wohl nicht so gut. Und anscheinend ist wohl nicht jeder Erwachsene auch automatisch entscheidungsmündig. Ich glaub, manche Typen kriegen das in ihren Kopf nicht rein, darum sag ich’s jetzt nochmal kurz und bündig: Wenn ein Mädchen nein sagt, dann meint sie nein! Der Typ irrt, wenn er denkt, ihr  „Nein“ heißt nur, dass sie sich ziert. Ihr  „Nein“ heißt:  „Bitte, lass bitte einfach die Finger von mir!“ Wer so ein „Nein“ ignoriert, beschreitet einen Weg, der möglicherweise ihr Leben für immer zerstört. Ich werde selber nie begreifen, warum sich Männer gewaltsam an Frauen vergreifen. Sowas haben schon unzählige Leute verbrochen. Ich finde darüber wird leider viel zu selten gesprochen. Laut einer EU-Studie 2014 ist sogar eine von 20 Frauen das Opfer sexueller Gewalt. Und trotzdem werden die meisten Täter niemals angezeigt. Weil das Opfer meistens vor lauter Angst schweigt und vor Scham lieber damit alleine bleibt. Aber die Wahrheit muss eben dringend gesagt werden, weil diese Leute das Leben anderer Leute gefährden. Und weil die meisten von ihnen früher oder später zum Wiederholungstäter werden. An die, denen das vielleicht passiert ist, ihr solltet wissen, dass das nicht eure Schuld ist! Dass ihr nicht alleine damit seid und auch nicht alleine klarkommen müsst. Dass ihr das auf keinen Fall für euch behalten sollt. Und dass immer Leute hinter euch stehen, wenn ihr bereit seid und die Wahrheit erzählen wollt. Denn es hilft gegen die Isolation und das Gefühl von Leere und es vertreibt die Einsamkeit. Man sagt das nicht umsonst: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Natalie G.

    Fang doch mal bei dir an

    Wenn mir Fiona erzählt, dass sie jetzt dem Hashtag #fridaysforfuture folgt und auch auf jeden Fall voll gegen Klimawandel ist und die Politiker ja mal was ändern sollen, dann denke ich mir genau das. Fang doch mal bei dir an. Das Ziel meines Textes ist weder, zu sagen, dass die Bewegung Fridays For Future schlecht ist, noch, dass Politiker uns ignorieren dürfen und ich habe auch nichts gegen Menschen mit dem Namen Fiona. Ich habe etwas gegen Pauschalisierung. Dagegen, die Menschen, die Politiker, die Flüchtlinge, die Schüler, die Fußballspieler alle in eine Schublade zu stecken. Fang doch mal bei dir an. Wer bist du? Bist du nur Schüler, nur Fußballspieler, nur Langschläfer oder nur Handynutzer? Fiona ist 18. Lebt bei ihren Eltern. Hat ein eigenes Auto. Trifft sich gerne mit Freunden und geht auf Parties. Ihre Familie fährt einmal im Jahr im Sommer auf eine Kreuzfahrt. Alles schön und gut. Jeder in Deutschland hat das Glück, sein Leben so gestalten zu können, wie er möchte. Das respektiere ich. Aber wenn Fiona mir erzählt, dass die Politiker ja mal dringend was gegen den Klimawandel tun sollen, weil sie als Einzelperson ja gar nichts verändern könne, sie sei ja schon Vegetarierin und sie wüsste echt nicht, wie sie noch etwas verbessern könnte, muss ich doch mal tief Luft holen und denke, Fang doch mal bei dir an. Mir geht es gar nicht darum, wer was wie viel verändert. Mir geht es um Perspektive. Fiona denkt, ich habe alles richtig gemacht. Ich verzichte auf Fleisch und jetzt ist es an den Politikern, sich eine Gesamtlösung für den Klimawandel zu überlegen. Ein Politiker denkt, die Bürger sagen immer, wir sollen etwas verändern, dabei finde ich es absolut unnötig, jedes Jahr eine Kreuzfahrt zu machen. Sie sind selber schuld. Ich kann doch nichts machen. Ich kann ihnen ja schließlich nicht verbieten, auf eine Kreuzfahrt zu fahren. Und genau da liegt das Problem. In der Perspektive. Eine Perspektive ist nicht falsch und nicht richtig Eine Perspektive ist eben eine Perspektive. Du hast deine, ich habe meine, ein Politiker hat seine und Fiona hat ihre. Du musst meine Perspektive nicht teilen und nicht verbreiten. Du musst sie aber respektieren. Deine individuelle Perspektive macht dich zu dem, der du bist. Willst du nicht, dass man hört, wer du bist? Dann nimmt dir den Moment, geh einen Schritt zurück und erinnere dich daran, ja, auch Fiona hat eine Perspektive. Auch ich muss mich daran erinnern. Ich habe manchmal das Gefühl, dass man in der Diskussion um Klimawandel schnell den Überblick verliert. Man ist total im Fieber gegen Klimawandel und auch ernsthaft davon überzeugt, dass es wichtig ist, jetzt etwas zu verändern, und dann….dann driftet man ab. Der Fokus verschwimmt, das Bild wird trüb und das Ziel verblasst. Statt Diskussionen, Kompromissen, Lösungen sieht man Unsachlichkeit, Pauschalisierung, Beschuldigungen „Ja aber Fiona fährt ja auch jeden Sommer auf Kreuzfahrt!“ Fang doch mal bei dir an. Ja, Fiona fährt jeden Sommer auf Kreuzfahrt. Ja, Herr Schmitz fliegt jeden Monat nach Berlin und zurück. Und ja, ich fahre auch mit dem Auto nach Düsseldorf, auch wenn ich genau weiß, dass es im Sinne des Klimas ist, öfter mit dem Zug zu fahren. Es gibt nicht DIE Lösung für den Klimawandel, genauso wenig wie es DIE Politiker oder DIE Schüler gibt. Denk an deine Perspektive und an Fiona Perspektive. Hör nicht bei dir auf. Fang bei dir an. Pauline v. V.

    Freundschaft – ist vielseitig

    Es gibt die vielen guten Momente, verbunden mit Vertrauen und Respekt in denen so viel Zusammenhalt, Verantwortung und Liebe drin steckt. Basieren tut sie auf Loyalität und Glück und ist wertvoller, als das teuerste Schmuckstück. Freundschaft fängt dich auf, wenn du hinfällst, öffnet dir die Augen, wenn du dich selber aufhältst. Du kannst dich immer auf sie verlassen, es wird Momente geben die selbst in hundert Jahren nicht verblassen auch Menschen, die dich nie verlassen, sich wirklich mit dir, deiner Person befassen und wissen, wann es besser ist dich nicht aus den Augen zu lassen. Doch Manchmal wird… Weggefährte zu Widersacher Verbündeter zu Verhasster Freund zu Feind Freud zu Leid und Heute zu Gestern Du fällst aus allen Wolken, weil du plötzlich siehst du kennst die Menschen gar nicht die du so sehr liebst All die Jahre wurdest du belogen und betrogen angelogen wenn es darum ging, ob es wahre Freundschaft ist du bist angepisst doch du vermisst bis du vergisst doch – das kann Monate – Jahre dauern da sind überall Momente und Erinnerungen, die auf dich lauern und du fängst in den merkwürdigsten Momenten an zu trauern. Und dann – irgendwann merkst du siehst du fühlst du wie es beginnt dir besser zu gehen und du wieder lernst aufrecht zu stehen du aufhörst ihnen nach zu gehen es einstellst zurück zu sehen und anfängst zu verstehen. Du verstehst es Du verstehst, dir wurde eine neue Chance gegeben, und was du auf keinen Fall tun darfst ist aufzugeben! Die, die jetzt weg sind, dieser Verlust ist verschwindend gering! Denn – sie zogen dich runter und schränkten dich ein, waren die Wolken über dem hellen, starken, fröhlichen Sonnenschein. Der Frühling in dir beginnt wieder langsam aber stärker aufzublühen Du fängst ein neues Leben an, triffst Menschen die sich bemühen. Hast Tatendrang, überschreitest deine Grenzen und fängst langsam aber sicher wieder an zu glänzen. Denn – die Last ist endlich weg deine Stimmung nahezu perfekt. Du triffst neue Leute, die dir zeigen was wahre Freundschaft heißt, ein Band entsteht welches selbst das größte Hindernis nicht zerreißt. Sie nehmen dich auf, du fühlst dich endlich wieder wie zu Haus´ und du merkst, du hast gewonnen Dein Leben hat von neuem begonnen. Zwar wurdest du belehrt, nicht jeder erkennt deinen wahren Wert. Aber du gewannst Freunde fürs Leben, die es kaum erwarten können loszulegen. Das Leben wird zur Party, du beginnst es auf ganz neue Art zu lieben, hast den Vertrag des Lebens glücklich unterschrieben. Marla H.

    Mein Leben

    Mein Leben ist wie mein Kleiderschrank. Bunt, Experimentell, Vielfältig, Und manchmal ein bisschen unsortiert, Es gibt manche Sachen, Die einfachen, die unkomplizierten Die ich tagtäglich trage Und andere bleiben komplett unberührt, Weil ich es einfach nicht wage. Im Sommer ist alles hell, luftig, leicht, Voller Lebensfreude, Und im Winter, Wenn diese langsam weicht Und die Motivation einfach nicht mehr reicht, Dann ist alles grau und warm und gemütlich Und Sweatshirt halt. Es gibt Teile meines Kleiderschranks, Die ich in Ehren halte, Wo ich mit Vorsicht und Liebe walte, Alles fein säuberlich aufgehängt Nach Farben sortiert, Weil jedes Kleidungsstück was anderes repräsentiert, Ein kleinen Teil meines Leben, Eine Erinnerung, Die nie an Bedeutung verliert. Die grüne Jacke, Steht für Geborgenheit und Sicherheit, In Zeiten voller Leid, Ohne Lichtblick weit und breit. Oder der Pinke Rock, Der mir nach 5 Jahren längst zu klein sollte, Aber immer noch passt, Weil ich seitdem einfach nicht mehr wachsen wollte, So voll mit Erinnerungen bis heute. Manche Teile stehen einfach nur für Tage, Ausflüge, Reisen. Das graue Kleid für New York, Das grüne für San Francisco, Der schwarze Rock für Berlin, Und der nächste für Valencia. Jedes Teil steht für etwas was mal war, Für einen kleinen Teil meines Lebens. Es gibt manche Sachen die ich kaum noch trage, Weil sie einfach nicht mehr meinem Stil entsprechen, Und dennoch kann ich sie nicht vergessen, Oder mit etwas anderem ersetzen, Denn sie zeigen mir, wer ich war, Und wer ich heute bin. Mein Leben ist wie mein Kleiderschrank, Bunt, Experimentell, Vielfältig, Wie mein Leben halt. Mein Kleiderschrank, Immer an der selben Wand, Er ist immer da Bereit mir zu zeigen, Wer ich war, Wer ich bin, Und wer ich sein werde. Annemarie R.