Bischöfliche Marienschule Mönchengladbach

Grüße aus dem Ausland (4): Melissa schreibt über ihren Südafrika-Aufenthalt

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  • Melissa, 2. von rechts, umgeben von Schulfreundinnen.

    In Teil 4 unserer Serie (mehr zur Serie hier…) fasst Melissa ihren Aufenthalt in Durban, Südafrika zusammen. Sie ist seit Kurzem wieder da und blickt beinahe poetisch zurück: „Es ist eine Zeit, ein Abenteuer für sich, ein neues Leben, dass nur ihr, die ihr das auch macht, sehen könnt, aus dem ihr so viel herausnehmen könnt, und was ihr nie vergessen werdet.“

    Mein Name ist Melissa und ich habe die letzten 5 Monate in Südafrika verbracht.

     

    Viele von euch wundern sich jetzt wahrscheinlich, warum ich von allen Ländern dieser Welt Südafrika ausgesucht habe? Das liegt daran, dass meine Mutter aus Südafrika kommt und dort aufgewachsen ist. Demnach haben wir dort auch Familie: Großeltern, Onkel, Tanten und Cousinen, die wir gut kennen, da wir sie von klein auf regelmäßig besucht haben.

     

     

    In den 5 Monaten habe ich dort eine Mädchenschule besucht, bin unter der Woche ins Internat gegangen und am Wochenende zu meiner Familie nach Hause, wo ich viel Zeit zusammen mit meinen 2 Cousinen und meinem Cousin verbringen konnte.

    Aber ich fange mal von Anfang an:

    Völlig andere Schule, anderer Unterricht, andere Lehrer…

    Alles war anders verglichen mit dem, was ich gewohnt bin: Es wird in der Schule eine Uniform getragen, es gibt viele Traditionen und Respekt gegenüber Älteren: zum Beispiel die Tradition, jeder älteren Schülerin und allen Lehrerinnen und Lehrern die Tür aufzuhalten oder den Vortritt zu überlassen.

     

    Eine andere Tradition ist, dass nur die Schülerinnen der zwölften Klasse, also die Abiturienten, weiße Socken anziehen dürfen, das Schulgelände verlassen dürfen, Aufsätze verteilen dürfen oder den Rasen auf dem Schulhof betreten dürfen.

     

    Wahrscheinlich klingen diese Regeln total krank und verrückt, und das waren sie für mich am Anfang auch, aber mittlerweile finde ich, dass sie gut und wichtig sind um Respekt zu zeigen. Diese Traditionen bedeuten allerdings überhaupt nicht, dass die Abiturientinnen hochnäsig oder gemein waren, zumindest die meisten nicht. Mit vielen war man sogar recht gut befreundet, wenn man sich zum Beispiel vom Sport kannte. Viele freuen sich dadurch natürlich auch darauf selber irgendwann in der Zwölften zu sein.

     

    Es war gar nicht so einfach, am Anfang diese und viele andere Regeln zu denken.

     

    Offene Südafrikaner

    An meinem ersten Schultag war mir das ganze Schulgelände und jeder (außer meinen Cousinen), den ich gesehen habe, total fremd und unbekannt. Da ich aber zum Glück am Abend davor schon ins Internat gehen musste, haben meine Zimmernachbarn mir sehr geholfen, mir alles gezeigt und mich vielen Leuten vorgestellt. Da ich ein relativ offener Mensch bin, dem es nicht schwerfällt neue Leute kennenzulernen, habe ich mich sehr schnell an meine neue Umgebung gewöhnt und viele neue und nette Leute kennengelernt. Was mir dabei glaube ich auch viel geholfen hat, ist, dass Südafrikaner generell unheimlich offen und freundlich sind.

     

    Freizeit

    Nachmittags im Internat war dann immer viel los: Man hatte sportliche oder/und musikalische Aktivitäten, hat oft nachmittags für die Schule gelernt, manchmal nur einen Film im Zimmer mit Freunden geguckt oder einfach nur gequatscht.

     

     

    Wir waren meist zu viert oder fünft auf einem Zimmer. Da es keine Pflicht gibt ins Internat zu gehen, gab es auch sogenannte “day girls”, welche jeden Tag nach der Schule (wie an der Marienschule) nach Hause gingen.

     

     

    Da nur etwa 20% jeder Stufe im Internat war, sind oft Mädchen aus komplett verschiedenen “Freundschaftsgruppen” auf die Zimmer verteilt gewesen, was das Ganze jedoch umso schöner und interessanter machte.

     

    Es war aber auch im Internat nicht alles mit Spaß verbunden, auch wenn man die ganze Zeit unter Freunden war und Spaß hatte. Es gab feste Regeln, die man einhalten musste, und daran musste ich mich am Anfang erst einmal gewöhnen.

     

    Zum Beispiel die Zeiten für Mahlzeiten, abends zwei Stunden in der Bücherei, die für Hausaufgaben genutzt werden mussten, das Einreichen von Handys zu bestimmten Zeiten und vieles mehr. Woran man sich auch erst einmal gewöhnen musste war, dass es auf die Dauer anstrengend wurde, ständig von Leuten umgeben zu sein und außer am Wochenende kein eigenes Zimmer zu haben. Doch je mehr ich mich daran gewöhnt hatte, fühlte ich mich am Wochenende sogar ein bisschen einsam, wenn ich alleine in meinem Zimmer war.

     

    Obwohl ich natürlich ab und zu auch Heimweh hatte, lief alles Bestens. Da ich auch immer sehr liebe Menschen um mich herum hatte, die mich getröstet haben, wenn ich mein zu Hause vermisst habe und dafür gesorgt haben, dass ich eine super Zeit dort hatte, war das Heimweh nicht zu schwer zu überwinden. Außerdem konnte ich ja jederzeit zu Hause anrufen oder sogar mit Familie (und mit Freunden) skypen.

     

    Die Zeit verging wie im Flug, von Woche zu Woche habe ich mich besser mit meinen Freunden in der Schule wie auch im Internat verstanden, und mit manchen bin ich so „dicke geworden“, dass ich zum Ende hin sogar fast mehr Zeit am Wochenende bei ihnen als bei meiner Familie verbracht habe.

     

    Natürlich haben wir auch viele Sachen sowohl mit der Familie & Freunden als auch von der Schule aus unternommen.

     

    Im September sind wir mit unserer Stufe eine Woche lang im Busch campen gewesen, wobei wir einerseits viel in der wilden Natur gelernt haben, aber auch richtig coole Sachen gemacht haben, die sehr Spaß gemacht haben. Dabei war Teamarbeit wichtig und wir sind in dieser Woche als Gruppe zusammen gewachsen.

     

     

    Mit meiner Familie bin ich einmal auf einer Safari-Tour gewesen, wir waren in einer Ferienwoche in einem Resort im Drakensberg im Urlaub und haben auch sonstige Ausflüge unternommen.

     

    Mit Freunden sind wir dann ein paar Mal zum Strand gegangen, haben ein Wochenende zusammen in einem Haus direkt am Strand verbracht und haben sogar einmal bei einem Rugby Finale in der Innenstadt von Durban zugeguckt.

     

    Wie man sich nun vorstellen kann, war es unheimlich schwer und schmerzvoll sich von all dem im Dezember dann zu verabschieden. Auch wenn ich mich schon sehr auf meine Familie und auf ein paar andere Dinge gefreut habe, fiel es mir so schwer diese Zeit abzuschließen und darauf zu hoffen, dass ich so oft wie möglich zu Besuch kommen kann.

    Die Rückkehr fühlt sich seltsam an

    Zurück an der Marienschule fühlt es sich sehr seltsam an, wieder in meinen Alltag zurückzukehren. Es war erstaunlich, wie alles gleich geblieben war und es mir doch völlig anders erschien, da ich nun alles mit neuen Augen und neu gesammelten Erfahrungen betrachten konnte. Trotzdem habe ich mich relativ schnell wieder eingelebt und bin froh um die Menschen, die mich so schnell wieder aufgenommen haben.

     

    Im Großen und Ganzen:

     

    Ein Auslandsjahr ist aus meiner Sicht eine tolle Möglichkeit, Erfahrung in vielen Bereichen zu sammeln und selbstständiger zu werden.

     

    Es ist eine Zeit, ein Abenteuer für sich, ein neues Leben, dass nur ihr, die ihr das auch macht, sehen könnt, aus dem ihr so viel herausnehmen könnt, und was ihr nie vergessen werdet.