Bischöfliche Marienschule Mönchengladbach

Grüße aus dem Ausland (9): Kim (Mexiko) zieht ein Fazit

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  • In meinem letzten Bericht möchte ich darüber erzählen, wie es mir jetzt, nach 10 Monaten in Mexiko, geht, und wie ich mich jetzt, fast am Ende meines Austausches, fühle.

     

    Kurz gesagt: Ich möchte nicht mehr zurück nach Deutschland!

     

    Das hört sich vielleicht total danach an, als würde ich meine Familie und Freunde und generell alles, was ich an Deutschland liebe, gar nicht vermissen, aber das stimmt nicht.

     

    Ich vermisse alle diese Dinge sehr, aber ich habe hier, in Mexiko, jetzt ein Jahr gelebt, ich habe ein Leben aufgebaut. Vielleicht habt ihr schon einmal den Spruch

    „Austausch ist kein Jahr in einem Leben, es ist ein Leben in einem Jahr“

    gehört. Es kann sein, dass ihr diesen Spruch nicht wirklich versteht, so ging es mir vor meinem Austausch auch, aber jetzt, einen Monat bevor ich wieder zurück nach Deutschland fliege, trifft dieser Satz alles auf den Punkt genau.

    Kim (rechts) mit einer Austauschschülerin aus den USA.

    Ich habe hier drei Gastfamilien, die mich alle voll und ganz in die Familie aufgenommen haben, die auch ich als meine Familien sehe und mir immer sagen

    „nuestra casa es tu casa“ (unser Haus, ist dein Haus“),,,

    meine Freunde, die jeden langweiligen Schultag zu einem Abenteuer machen und meine Austauschfamilie (die ganzen Austauschschüler), die mich mit Problemen und auch Gefühlschaos im Austausch besser verstehen als alle anderen, da sie genau dasselbe durchmachen.

    Mit anderen Austauschschülern.

    Alle diese Dinge machen mich im Moment so unglaublich glücklich, dass ich nicht nach Hause möchte, denn ich weiß, dass ich diese Konstellation nie wieder so haben werde. Ich kann (und werde nächsten Sommer) zwar wieder zurück nach Mexiko kommen und meine Familien und Freunde besuchen, aber es wird nicht mehr dasselbe sein. Meine Freunde werden bereits studieren und meine Austauschfamilie wird nicht mehr hier sein. Es wird einfach nicht mehr das „Austauschschülerleben“ sein. Nie wieder werde ich so viel Freizeit haben (man kann es fast ein Jahr Ferien nennen), in der ich so viele tolle Dinge erlebe, Orte sehe und Menschen kennen lerne.

    In den Bergen.

    Andererseits kann ich es auch gar nicht mehr abwarten meiner Familie aus Deutschland dieses unglaublich schöne und vielseitige Land, Mexiko, zu zeigen. Ich bin gestern von einer Reise mit meiner Organisation und allen Austauschschülern, ins Innere von Mexiko zurückgekommen. Wir haben viele tolle Städte gesehen und super viel über die Kultur gelernt. Ich habe mich komplett neu in Mexiko verliebt!

     

    Bis vor kurzem habe ich nicht realisiert, dass ich bald schon zurückfliege, allerdings fangen die ersten Austauschschüler nun an, zurück in ihre Heimatländer zu fliegen. Das heißt, dass man immer öfter zum Flughafen fährt um sich immer wieder bei seinen „Weltbestenfreunden“, seiner Familie, zu verabschieden. Es ist das Schlimmste am Austausch. Die vielen Abschiede von den besten Menschen, die man je kennengelernt hat.

    Dadurch merkt man, dass der eigene Abschied auch nicht mehr so fern ist und das selbst ein kompletter Monat super schnell vergeht. Ich bin froh, dass ich zu dem Drittel der Austauschschüler gehöre, die als letztes nach Hause fliegen.

    Mein Appell an euch

    Oktoberfest in Mexiko.

    Alles in allem möchte ich allen, die das lesen und noch die Chance haben einen Schüleraustausch zu machen, ans Herz legen darüber nachzudenken, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Und ich rede genau von einem SCHÜLERAUSTAUSCH. Viele sagen „ich gehe einfach nach der Schule und mache ein au pair – Jahr oder ich studiere ein Semester im Ausland“.

     

    Aber meiner Meinung nach bringt ein Auslandsjahr während der Schulzeit so viel mehr, da man sich nicht auf die Uni oder auf das Geldverdienen konzentrieren muss, sondern man sich voll und ganz auf die Leute, auf die Kultur, auf die Sprache und einfach auf das Leben konzentrieren kann. Man hat direkt Ansprechpartner, da man in einer Gastfamilie lebt und diese einem bei jeder Sache hilft. Man fühlt sich einfach nie allein.

    Zudem möchte ich anregen auch darüber nachzudenken nach Lateinamerika zu gehen. Die Menschen sind so aufgeschlossen und temperamentvoll. Außerdem liebe ich es einfach, wie sehr sie zeigen, wie sehr sie sich gegenseitig lieben. Alle umarmen sich die ganze Zeit und zum Beispiel meine Gastmamas nennen mich und ihre eigenen Kinder immer „mi cielo“ (mein Himmel), „mi corzón“ (mein herz), „mi hija“ (meine Tochter) und noch vieles mehr! Die Übersetzungen hören sich auf Deutsch zwar komisch an, aber wenn man mal darüber nachdenkt, was es bedeutet, und dass die Menschen das zu jemandem sagen, den sie nicht einmal kennen (sie tun das seit dem ersten Tag), kann man sich vielleicht ein bisschen vorstellen, wie herzlich und liebevoll die Menschen hier sind.

    Diese Dinge werde ich so sehr vermissen, deshalb denke ich, werde ich meine Familie und Freunde in Deutschland auch die ganze Zeit umarmen, wenn ich zurückkomme.

     

    Außerdem lernt man eine neue Sprache und kann sein Englisch nebenbei trotzdem verbessern, denn mit meinen Freunden aus den USA spreche ich immer auf Englisch, und dadurch verliere ich die Scheu auf Englisch zu sprechen und verbessere es dazu noch. Ich liebe die Sprache Spanisch außerdem so sehr! Ich habe mittlerweile schon angefangen auf Spanisch zu träumen und zu denken. Es macht mir so viel Spaß diese Sprache zu sprechen und neue Wörter zu lernen. Mit dem einen Jahr, in dem ich vorher Spanisch-Unterricht hatte, habe ich die wichtigste Grammatik gelernt (Gracias a usted, profesora Pigulla), und damit fiel es mir leichter die Sprache zu lernen. Es ist wirklich nicht so schwer wie man denkt!

     

    Zu alldem sind die lateinamerikanischen Länder gar nicht so gefährlich, wie alle immer denken!

    Es kommt nur sehr darauf an, in welchen Teilen dieser Länder man sich befindet. Meine Organisation Rotary zum Beispiel achtet sehr darauf, dass die Austauschschüler nur in Teile kommen in denen es sicher ist und dass wir in Familien leben, die sich kümmern und auf einen aufpassen.

     

    Das Traurige ist leider, dass die Medien nur „interessante Geschichten“ berichten und dabei vergessen zu erwähnen, wie viele tolle Dinge es eigentlich in diesen Ländern gibt. Als ich vor meinem Austausch meinen Freunden erzählt habe, dass ich nach Mexiko gehen werde, meinten viele zu mir „Pass auf dich auf, dass du nicht mit Drogen in Verbindung kommst“ und viele ähnliche Dinge. Alle glauben, dass sie das Land kennen und auf das beschränken können, wofür es in den Medien dargestellt wird, dabei waren alle, die ich kenne, noch nie in ihrem Leben in Mexiko oder Lateinamerika und wissen die Wahrheit gar nicht. Ich bin in meinen 10 Monaten noch nie mit Drogen oder Kriminalität in Verbindung gekommen. Ja, es stimmt zwar, dass es diese ganzen schlimmen Dinge hier gibt, aber man muss auch bedenken, dass Deutschland auch nicht perfekt ist. Es gibt auch Kidnapper, Drogendealer und Vergewaltiger. Aber wie gesagt, ich und alle anderen Austauschschüler sind damit in Mexiko nicht in Verbindung gekommen.

    Letztendlich kann ich nur sagen, dass dieses Jahr bis jetzt das beste Jahr in meinem Leben war, da ich so sehr an den Höhen und Tiefen gewachsen bin und die tollsten Dinge erlebt habe. Ich würde einen Schüleraustausch also 100%ig weiterempfehlen.

    Viele Grüße aus Mexiko!

    P.S.: Ich glaube die Bilder sagen mehr als tausend Worte. Man sieht einfach wie glücklich ich hier bin! Kennt ihr diese Momente, in denen man einfach nur glücklich ist? Hier in Mexiko habe ich so viele von diesen „Einfachnurglücklichseinmomenten“.

    Weitere Beiträge aus der Serie

    Die Marienschule unterstützt Schülerinnen und Schüler, die eine Zeitlang im Ausland sind und dort zur Schule gehen. Wir beginnen eine Serie mit Berichten von ihren Eindrücken und geben jüngeren Schülern dadurch einen Einblick in einen Auslandsaufenthalt. Auch für ältere Schüler, die nach ihrem Abitur ins Ausland gehen möchten, können diese Berichte hilfreich sein:

    Teil 1: Kim schreibt aus Mexiko
    Teil 2: Britany schreibt aus Thailand
    Teil 3: Robert schreibt aus den USA
    Teil 4: Melissa schreibt aus Südafrika
    Teil 5: Bastian schreibt aus Wichita, USA
    Teil 6: Kim berichtet aus Puebla, Mexico
    Teil 7: Ben berichtet aus Brasher Falls, USA
    Teil 8: Kim und die Schule in Mexiko