Grüße aus dem Ausland (8): Kim und die Schule in Mexiko


 

Meine Schule in Mexiko

In diesem Artikel werde ich näher auf meine Schule hier in Mexiko eingehen und sie auch teilweise mit meiner Schule in Deutschland vergleichen, denn es gibt Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. Meine Schule heißt „UPAEP Prepa Angelópolis (in Puebla)“ und ist eine bilinguale und private Schule. Das heißt, dass einige Fächer auf Englisch und andere auf Spanisch unterrichtet werden. Am Anfang war das sehr gut für mich, da ich weder nicht so viel Spanisch sprechen noch verstehen konnte.

Kim (stehend, 3. von links) mit ihrer ersten Gastfamilie während einer mexikanischen Hochzeit.

Allerdings auch jetzt, wo ich besser sprechen und verstehen kann, ist es sehr schwer für mich die spanischen Fächer zu verstehen, denn wie in Deutschland auch, benutzen die Lehrer Wörter, die man in einer „normalen“ Konversation nicht benutzt, wie Fachwörter zum Beispiel.

Die Schule beginnt hier leider nicht um 08:00 Uhr, sondern um 07:00 Uhr. Also:

Ich weiß es nach diesem Austausch wirklich zu schätzen, dass wir in Deutschland „erst“ um 08:00 Uhr Schule haben.

Das Schulsystem

Das Schulsystem hier in Mexiko unterscheidet sich sehr stark von dem in Deutschland. In Deutschland haben wir die Grundschule und die weiterführende Schule.

Hier ist es so, dass es eine „Primaria“ gibt. Diese geht 6 Jahre. Dann gibt es die „Secundaria“, die geht 3 Jahre, und dann zuletzt die „Preparatoria“ (Prepa), dies sind die letzten drei Jahre vor der Universität.

Alle Austauschschüler der Schule am Tag des Abschlussfotos der Abschlussklasse.

Man merkt sehr, dass die Prepa die Vorbereitung auf das Studium ist, denn man kann eine „area“ wählen. Zur Auswahl stehen: Medizin, Pädagogik, Pädagogik mit Wirtschaft, Wirtschaft und Kunst. Das heißt, man bleibt in diesen „Klassen“. Nicht wie bei uns, dass wir Kurse haben und immer wieder mit anderen Mitschülern Unterricht haben.

Methoden zum Vorbereiten aufs zukünftige Leben

Außerdem will die Schule die Schüler wie in Deutschland auf das zukünftige Leben vorbereiten. Allerdings sehr anders als in Deutschland.

Auf meiner Schule hier gibt es keine Schuluniform, was ich zwar schade finde, aber daran kann man nichts ändern. Es gibt zwar viele Schulen hier in Mexiko, die Schuluniformen haben, aber es gibt auch Schulen, so wie meine, die keine Schuluniform haben.

 

Dafür hat meine Schule jeden Dienstag den „formellen Tag“. An diesem müssen alle Schüler formell gekleidet sein. Bei den Mädchen heißt das: eine Bluse mit einer formellen Hose und bei den Jungen: Anzug. Dies soll die Schüler darauf vorbereiten, wie sie sich später im Arbeitsleben kleiden sollen. Jeden Dienstag wird kontrolliert, ob jeder Schüler diese Regel auch einhält.

Wer sich nicht an die Kleiderordnung hält, bei dem müssen dann die Eltern in die Schule kommen und formelle Kleidung mitbringen, damit sich der Schüler umziehen kann.

Öffentliche oder private Schulen?

In Deutschland ist es so, dass die meisten Schüler öffentliche Schulen besuchen und, dass es von der Bildung her auch keinen großen Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Schulen gibt.

Hier sind fast alle Schüler auf privaten Schulen, da diese besser sind. Diese kosten aber natürlich auch viel mehr als die öffentlichen Schulen. Zudem sind die öffentlichen Schulen nicht so gut mit Lernmaterial ausgestattet, die Gebäude sind in der Regel älter und nicht so modern, die Qualität der Bildung ist schlechter und eine Regel der öffentlichen Schulen ist, dass es keine religiöse Bildung gibt. Das liegt daran, dass die Gesetze des Staates sagen, dass die Bildung nicht in Verbindung mit der Religion gebracht werden darf. Die privaten Schulen sind aber unabhängig von dem Staat und deswegen gibt es auch eine religiöse Bildung.

Mit Freundinnen.

Meine Schule ist eine sehr moderne Schule. Sie arbeitet mit dem System „GoogleClassroom“ im Internet zusammen. Dadurch werden die Schüler bzgl. der Hausaufgaben benachrichtigt und meistens stellen die Lehrer die Hausaufgaben in den „GoogleClassroom“. Außerdem werden dort Powerpoint Präsentationen hochgeladen, die die Lehrer im Unterricht verwenden, damit die Schüler zu Hause damit für die Klausuren lernen können. Außerdem laden die Lehrer dort Aufgaben hoch, die die Schüler machen sollen, sollte ein Lehrer mal krank sein und nicht zum Unterricht kommen können. Da es hier auf der Schule nur drei Jahrgänge gibt, ist meine Schule nicht besonders groß.

Zeremonien

Alle paar Wochen haben wir hier eine Zeremonie. Diese Zeremonie nennt sich „Honores a la bandera“ (Zu Ehren der Flagge). Bei dieser wird die Nationalhymne gesungen und die Zeremonie der Flagge durchgeführt. Dies sind sieben Mädchen, die zu der dazu bestimmten Musik mit der Flagge einmarschieren. Zudem werden Reden gehalten und manchmal auch Schüler geehrt.

Am Unabhängigkeitstag von Mexiko (15.09.2017).

Tag der offenen Tür meiner Schule. Der Adler ist das Logo meiner Schule und deshalb war an diesem Tag auch ein echter Adler dort.

Meine Schule ist eine katholische Schule. Viele der Schulen in Mexiko sind katholisch, da diese Konfession hier sehr verbreitet ist und die meisten auch sehr gläubig sind. Also gehen alle Schüler gemeinsam einmal im Monat in den Gottesdienst. Außerdem treffen sich alle Schüler am Montagmorgen auf dem Schulhof, sortieren sich nach den Stufen und werden über die Pläne oder Vorfälle der kommenden Woche von dem Schuldirektor informiert. Das kann manchmal schon ein bisschen nerven, denn tagsüber ist es zwar warm in Puebla, aber morgens ist es schon ziemlich kalt.

 

Fächer

Die meisten Fächer an meiner Schule sind gleich oder ähnlich zu den Fächern, die ich in Deutschland habe. Mathe, Englisch, Geschichte, Informatik, Politik / Sozialwissenschaften und Pädagogik. Allerdings habe ich hier zwei Fächer, die ich in Deutschland nicht habe. Wirtschaft und Psychologie. Diese Fächer werden auf Spanisch unterrichtet und deswegen verstehe ich leider nicht alles von dem Unterricht, weil es sehr kompliziert ist und sehr viele Fachwörter benutzt werden.

Umgang mit den Schülern

Ein sehr großer Unterschied zu der Schule in Deutschland ist, dass die Lehrer hier sehr locker mit den Schülern umgehen. Schon fast freundschaftlich. Teilweise umarmen sie sich und machen gemeinsam Witze. Das war am Anfang sehr komisch für mich, da das in Deutschland eines der unangebrachtesten Sachen ist, die man in der Schule machen kann. Teilweise treffen sich auch einige Schüler freundschaftlich mit den Lehrern und trinken gemeinsam ein Bier. Für mich zwar immer noch undenkbar, aber ich finde es sehr interessant zu sehen.

Festtage

An Valentinstag (wir sitzen an einem Boxring, der in der Schule aufgebaut wurde).

Einige Tage werden hier viel größer gefeiert als in Deutschland. Zum Beispiel an Halloween und Valentinstag hatten wir nach der dritten Stunde volles „Partyprogramm“. Es waren viele tolle Dinge organisiert. Man konnte in einem Boxring kämpfen, heiraten und es gab ein Showprogramm.

Kostümwettbewerb zu Halloween.

An Halloween gab es zum Beispiel einen Kostümwettbewerb, bei dem die Schüler die Chance hatten „eine Woche keine Englischhausaufgaben“ zu gewinnen. Oder am Valentinstag gab es ein Pärchenbattle, bei dem getestet wurde wie gut sich die Partner kennen.

Sport

Hier sind die Schüler viel sportlicher als in Deutschland.

Die Schüler, des letzten Jahres, während der Pause.

In allen Pausen spielen die „Obertufenschüler“ Basketball, Fußball, Volleyball oder American Football, während in Deutschland nur die jüngsten Schüler sich in den Pausen sportlich bewegen. Außerdem waren im März die sogenannten „Interprepas“. Da treten alle Prepas aus der „Ciudad de Puebla“ (Stadt von Puebla) in allen möglichen Sportarten gegeneinander an. Meine Schule ist leider nur bei Volleyball der Jungen auf den vierten Platz gekommen.

Alles in allem gefällt mir meine Schule hier in Mexiko sehr, aber nach einem Jahr fast Nichtstun in der Schule, freue ich mich auch wieder auf den Unterricht in Deutschland. Viele werden das vielleicht nicht verstehen, aber das habe ich bereits von vielen Austauschschülern gehört.

Weitere Beiträge aus der Serie

Die Marienschule unterstützt Schülerinnen und Schüler, die eine Zeitlang im Ausland sind und dort zur Schule gehen. Wir beginnen eine Serie mit Berichten von ihren Eindrücken und geben jüngeren Schülern dadurch einen Einblick in einen Auslandsaufenthalt. Auch für ältere Schüler, die nach ihrem Abitur ins Ausland gehen möchten, können diese Berichte hilfreich sein:

Teil 1: Kim schreibt aus Mexiko
Teil 2: Britany schreibt aus Thailand
Teil 3: Robert schreibt aus den USA
Teil 4: Melissa schreibt aus Südafrika
Teil 5: Bastian schreibt aus Wichita, USA
Teil 6: Kim berichtet aus Puebla, Mexico
Teil 7: Ben berichtet aus Brasher Falls, USA

 


Cornel van BebberAnsprechpartner: Cornel van Bebber

Datum: 9. Juni 2018 - 9:55 Uhr | Update: 12. Juni 2018 - 19:26 Uhr

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