“Nathan (to go)” oder “Nathan endlich (be-)greifen”

“Nathan (to go)” oder “Nathan endlich (be-)greifen”

In der vergangenen Woche besuchten Schüler:innen aus Deutschgrundkursen der Q2 mit Ihren Lehrerinnen Frau Boonen und Frau Rosen-Küppers die Abendvorstellung des Düsseldorfer Schauspielhauses. Unter Coronabedingungen, mit Maske, 2G und Abständen war das Betreten des Theaters zunächst etwas befremdlich und die Atmosphäre gespannt bis angespannt. Als dann das Ensemble verkündete, dass zwei der Schauspieler:innen erkrankt seien und spontaner Ersatz gefunden werden musste, wuchs die Skepsis.

Das änderte sich schlagartig in dem Moment als “Nathan” und “Daja” die Bühne betraten. Voller Energie, unterstützt von Video- und Klangeffekten, hauchten sie dem Ideendrama Leben ein. Plötzlich wurden Emotionen der Figuren spürbar, die unter dem rein gelesenen Versen kaum zu greifen sind. Nathans fast arrogante Überlegenheit, die Irritation des so dominant wirkenden Sultans und Dajas fanatische Anhänglichkeit an Recha konnten nun den Abiturstoff verständlicher machen. Die Inszenierung bestach durch das sehr einfache und gleichzeitig vielseitige Bühnenbild: In drei Würfeln, versehen mit als Leinwand fungierenden Vorhängen, spielte sich die gesamte Handlung ab. Die starken Bilder nahmen die vornehmlich jugendlichen Zuschauer:innen gefangen. Integration, Toleranz und Menschlichkeit bekamen Gesichter. Besonders interessant war, da waren sich die Schüler:innen unserer Schule einig, die Darstellung des im Original so übertrieben harmonisch endenden letzten Aktes: Anders als in Lessings Text, zeigten die Darsteller auf der Bühne Irritation, Frustration und Stress, während sich auf Leinwänden im Hintergrund das “Happy End” vollzog. Besser hätte man die Diskrepanz zwischen dem idealischen Ende und der Wirkung auf heutige Leser:innen nicht vorführen können. Dass die beiden eingesprungenen Schauspieler:innen Ihren Text derart perfekt beherrschten, beeindruckte alle sehr.

Warum besuchen wir eigentlich nicht öfter das Theater? Das war die einstimmige Frage am Ende des gelungenen Abends. Warum eigentlich nicht?

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