Öko-Science-Camp mit Schülern aus ganz Deutschland


MINT EC-Camp „Öko-Science“ vom 11. – 15.09.2016 in Moers / Wesel

Am 11.09.2016 ging es für mich für 5 Tage auf das MINT EC-Camp Öko-Science in Moers/Wesel. Nachdem ich vom Bahnhof Kevelaer mit einem „Shuttle“ zum Campingplatz Anna Fleuth, auf dem wir die nächsten Tage zelteten, gebracht wurde, ging es auch schon los…

Begrüßung auf dem Zeltplatz. ©MINT-EC

Begrüßung auf dem Zeltplatz. ©MINT-EC

Alle 20 Teilnehmer, je zehn Jungen und Mädchen im Alter von 15 bis 18 Jahren von verschiedenen Schulen aus ganz Deutschland, bekamen ein Namensschild und wurden von den Organisatoren des Gymnasium Adolfinum, Moers, und des Andreas-Vesalius-Gymnasiums, Wesel, herzlich begrüßt. Diese hatten das Camp geplant. Danach hörten wir direkt drei spannende Vorträge über Renaturierung von Fließgewässern, über die Niers (mit der wir uns die nächsten Tage beschäftigen sollten) und über Bodenarten und -qualitäten. Den Niers-Vortrag hatte ein Camp-Teilnehmer aus Moers für uns andere Teilnehmer vorbereitet.
Am Abend wurde dann gemeinsam gegrillt, und wir hatten die Chance, uns ein wenig auszutauschen. Nach dem Spülen hatten wir dann unser abendliches Plenum mit dem Programmleiter Johannes Brattke und der MINT-Alumna Yvonne. Hier haben wir unsere Erwartungen gesammelt und unsere Namen durch ein „Kennenlernspiel“ gelernt. Wir ließen den ersten Tag in einer gemütlichen Runde ausklingen und mummelten uns dann in unsere Schlafsäcke.

Chemische und physikalische Gewässeruntersuchung im Klärwerk

Besichtigung des Klärwerks. ©MINT-EC

Besichtigung des Klärwerks. ©MINT-EC

Am zweiten Tag hieß es früh aufstehen, frühstücken, Rucksack packen und dann zum Bus, der uns zum Klärwerk Mönchengladbach-Neuwerk, für mich also zurück in meine Heimatstadt, brachte. Dort wurden wir zunächst durch einen Vertreter des Niersverbandes begrüßt, der diesen auch kurz vorstellte.

Anschließend wurden wir nach obligatorischen Sicherheitsanweisungen in zwei Gruppen eingeteilt, sodass wir zwei Workshops im Wechsel bearbeiten konnten. Ich habe zunächst im Workshop „Beurteilung der Gewässergüte“ im Arbeitslabor des Klärwerks das Zu- und Abflusswasser der Kläranlage mit Hilfe der chemischen und physikalischen Gewässeranalytik untersucht. Trotz unterschiedlicher Lernstandniveaus bei uns Teilnehmern (GK/LK; EF/Q1/Q2) kam es zu keiner Über- bzw. Unterforderung, da es Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade zu bearbeiten gab.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen war Stationenwechsel und wir bekamen eine Führung über das Klärwerksgelände, bei der uns alle Schritte der Wasserreinigung erklärt wurden. Bei strahlendem Sonnenschein hatten wir vom Dach eines Faulturms einen tollen Überblick über die Umgebung (Ich konnte auch den Wasserturm in der Nähe der BMS sehen). Der Leiter der Besichtigung bot mir als Schülerin aus MG an, dass gerne Schulklassen bei Interesse auch eine kostenlose Führung in Anspruch nehmen können.

Anschließend wurde uns noch das Zentrallabor vorgestellt, in dem die Zu- und Abflüsse der Kläranlage ständig beobachtet werden. Auf Grund des Ortes der Probeentnahmen in Verbindung mit der Kenntnis des Rohrsystems etc. kann hier bei Verunreinigungen bzw. Schadstoffbelastungen der Entstehungsort der Verschmutzung ermittelt werden. Im Teil des Biologielabors wurden uns die in den Becken der Kläranlagen arbeitenden Bakterien nochmal genauer vorgestellt, insbesondere ihr Aussehen unter dem Mikroskop und ihre Aufgaben.

Nach der Rückkehr zum Camp und dem gemeinsamen Abendessen dort wurde ein Gruppenspiel zur Stärkung unseres Teams absolviert. Danach hatten wir wieder eine gemütliche Runde.

Kartierung und mikroskopische Untersuchung der Niers

Keschern. ©MINT-EC

Keschern. ©MINT-EC

Am nächsten Morgen wurden wir nach dem Frühstück mit dem Bus zu einem renaturierten Teil der Niers gebracht, denn es sollte ein kompletter Outdoor-Tag werden. Bei Geldern-Pont waren am Feldrand in einem Pavillon mit Bierzeltgarnituren bereits Mikroskope und ein Computer aufgebaut, für die ein Aggregat den erforderlichen Strom lieferte. Nach Aufteilung in drei verschiedene Workshops ging es im Ersten um faunistische und floristische Beobachtungen im Gewässerumfeld. Dafür haben wir, mit Keschern ausgestattet, Tiere aus dem Wasser gefischt. Da die Stelle, an der wir uns befanden, ungünstig war und wir deshalb keine Fänge machten, hieß es durch Brennnesseln wandern, um an eine stillere Gewässerstelle zu gelangen. Mit kurzer Hose und teils ohne Schuhe war dies weniger angenehm, weshalb auch ein Teil der Gruppe zurückblieb und sich beim Libellen fangen versuchte. Beim Fischen sanken wir immer wieder in Schlamm ein, doch unser Fang konnte sich schließlich sehen lassen. Die gefangenen Tiere haben wir danach anhand von Büchern bestimmt und anschließend alle wieder freigelassen.

Bestimmung des Fangs. ©MINT-EC

Bestimmung des Fangs. ©MINT-EC

Bei der nächsten Station war es unsere Aufgabe, einen Niersabschnitt mit zugeteilten Tablets und einem Handbuch zu kartieren, das heißt dem Abschnitt eine Strukturgüteklasse zuzuteilen aufgrund von verschiedenen Merkmalen, wie z. B. Bodenbeschaffenheit, Tiefe und Ausdehnung der Uferzone. Da jede Gruppe einen anderen Teil der Niers erfassen musste, konnten schließlich am Computer verschiedene Güteklassen beobachtet werden.
Das Highlight während der Mittagspause war der Fund einer vorbeischwimmenden Flaschenpost, die wir nach einigen Versuchen auch endlich aus der Niers holen konnten.
Bei unserer letzten Station ging es um die Untersuchung des Makrozoobenthos, der mit dem bloßen Auge noch erkennbaren Kleinstlebewesen im Gewässerboden. Mit Watthosen bekleidet hielten wir dazu genormte Kescher auf den Flussboden und wirbelten davor in Flussrichtung den Grund mit dem Fuß auf, sodass sich möglichst viel im Kescher verfangen konnte. Unser Fang wurde in eine weiße Wanne geschüttet, um alles besser sehen zu können. Wir entnahmen von dem Makrozoobenthos dann mit Pinzetten einzelne Tiere, u. a. Libellenlarven, Egel und Köcherfliegenlarven. Diese wurden in Alkohol gelegt, sodass man sie bewegungslos unter dem Binokular beobachten konnte.

Nach dem Abbau der Untersuchungsstation am Nachmittag durften wir dann von Wetten die Niers entlang mit Kanus bis nach Kevelaer paddelten. Einige haben es sich auch nicht nehmen lassen, ein Teilstück zu schwimmen.

Kanutour. ©MINT-EC

Kanutour. ©MINT-EC

An unserer Endstation Kevelaer haben wir die Flaschenpost vom Mittag wieder ins Wasser geworfen, damit die Absenderin noch weitere „Brieffreunde“ findet. Das letzte Stück zum Camp musste als Fußmarsch zurückgelegt werden. Nach dem Abendessen gab es wieder einen Austausch über den Tag im Plenum. Abschließend spielten wir alle gemeinsam Werwolf.

Besichtigung eines Kieswerks

Besichtigung des Kieswerks. ©MINT-EC

Besichtigung des Kieswerks. ©MINT-EC

An Tag vier ging es morgens nach dem Frühstück mit dem Bus zum Kieswerk der Familie Hülskens in Rheinberg, welches das größte Europas ist. Für die Werksbesichtigung wurde jeder mit einem Helm ausgestattet. Wir stiegen auf ein Gerüst, auf dem der Kies nach Größe der Steine sortiert wird. Leider war die Rüttelmaschine so laut, dass kaum jemand etwas von diesem Vortrag verstehen konnte… Danach wurde in einer Lagerhalle ein Vortrag über Rekultivierung gehalten.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Andreas-Vesalius-Gymnasium in Wesel, wo wir in der Mensa ein Mittagessen bekamen. Der dort vorgesehene Vortrag über Alterungsprozesse von Gewässern durch Fischerei fiel wegen Erkrankung des Referenten leider aus, jedoch waren alle mit dem stattdessen angesetzten Eisessen einverstanden.

Analysen in Biologischer Station. ©MINT-EC

Analysen in Biologischer Station. ©MINT-EC

Der nächste Punkt auf dem Programm war der Besuch der biologischen Station am Auesee bei Wesel, wo uns auch der WDR begleitete, um einen Bericht für die Lokalzeit Duisburg zu drehen. Am Auesee haben wir dann – wie bereits am Tag zuvor an der Niers – Kleinstlebewesen gekeschert. Das Highlight war mein Fund einer Wasserspinne, was sehr untypisch für ein solches Gewässer ist und zuvor dort noch nicht gesehen wurde. Die Spinne wurde später dann in der biologischen Station für Untersuchungen zurückgehalten. Am See hatten wir auch noch die Möglichkeit mit einem Boot aufs Wasser zu fahren und dort Untersuchungen zu Sauerstoffgehalt, Druck und Temperatur in Abhängigkeit der Tiefe zu machen. Des Weiteren haben wir die Sichttiefe mit Hilfe einer Secchi-Scheibe gemessen. Unsere Fänge haben wir dann in der Biologischen Station mit Hilfe von Mikroskopen und Verzeichnissen bestimmt und konnten so die Artenvielfalt des Sees feststellen, womit auch die Güteklasse des Gewässers ermittelt wurde.

Gewässeruntersuchung vom Boot aus. ©MINT-EC

Gewässeruntersuchung vom Boot aus. ©MINT-EC

Mit dem Bus ging es dann wieder zurück zum Camp zum letzten gemeinsamen Abendessen, dem Plenum mit Tagesreflektion und abschließendem Stockbrotbacken am Lagerfeuer.

Der letzte Tag begann mit dem Aufräumen unseres Camps. Wir Teilnehmer haben uns mit einem kleinen Geschenk bei unserem Camp-Leiter Johannes bedankt. Dann ging es mit unseren Reisetaschen und Tagesrucksäcken im Bus auf eine letzte bodenkundliche Exkursion am Niederrhein. An drei Stationen, dem Waldgebiet „Bönninghardt“, den Auenböden bei den „Brüner Höhen“ und dem Heideweiher „Schwarzes Wasser“, haben wir ausgestattet mit Stechbohrern, Hämmern, pH-Indikatorpapier, destilliertem Wasser und Salzsäure die Bodenart und Qualität der Böden untersucht. Mit Salzsäure wurde geprüft, ob der Boden kalkhaltig ist oder nicht.

Bodenuntersuchung. ©MINT-EC

Bodenuntersuchung. ©MINT-EC

An unserer letzten Station mussten wir noch einen Reflektionsbogen ausfüllen und das Camp wurde offiziell beendet. Der Bus fuhr uns dann noch alle mit einem Zwischenstopp am Andreas-Vesalius-Gymnasium zum Bahnhof Wesel. Wir verabschiedeten uns alle voneinander, obwohl viele von uns noch mit dem gleichen Zug die Heimreise antraten.
Abschließend kann ich sagen, dass das MINT EC-Camp eine sehr positive Erfahrung für mich war. Das Camp hat mir die Möglichkeit gegeben, viele neue Dinge zu lernen und mich mit Gleichaltrigen mit gleichen Interessen an naturwissenschaftlichen Themen auszutauschen. Trotz eines straffen Programms hatten wir viel Spaß dabei. Dass wir alle zusammen in 2 Zelten (Jungen/Mädchen) untergebracht waren, zum Glück bei bestem Wetter, hat meiner Meinung nach unser Gemeinschaftsgefühl gestärkt, sodass es zu keiner Gruppenabkapselung kam. Ich habe dadurch neue Kontakte in ganz Deutschland knüpfen können.
Ich würde mich sehr freuen, noch einmal an einem MINT EC-Camp teilnehmen zu dürfen.

Franziska Breuer

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Cornel van BebberAnsprechpartner: Cornel van Bebber

Datum: 7. November 2016 - 12:53 Uhr | Update: 7. November 2016 - 12:53 Uhr

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