Unsere Partnerschule im Senegal


Partnerschule im Senegal

Wie es zur Partnerschule kam

Im Frühjahr 2002 erreichten mich zum ersten Mal Informationen über eine kleine und ärmliche Schule in der Savanne südwestlich der Stadt Mbour im Senegal, einem Land an der Westküste Nordafrikas. Die Stadt selbst verfügt zwar auch über Bildungseinrichtungen, ist aber für die Bewohner der Steppe nur sehr schlecht zu erreichen. Außerdem sind die armen Bauernfamilien nicht in der Lage, das Schulgeld für öffentliche Schulen zu bezahlen. Eine Schulpflicht gibt es im Senegal nicht, noch immer sind über 60 % der Bevölkerung Analphabeten. Es galt eine Möglichkeit zu finden, die Schulbildung der dort lebenden Kinder zu verbessern.

Die Schule 2002: Ein Raum, bestehend aus einigen Holzpfosten und Palmenzweigen.

Die Schule 2002:
Ein Raum, bestehend aus einigen Holzpfosten und Palmenzweigen.

Unterstützung seit 2003

Im April 2003 ist es mir zusammen mit Herrn Kölling gelungen, unsere Schulkonferenz von der Förderwürdigkeit dieser Schule zu überzeugen. So konnten wir von den Solidaritätsmärschen 2003, 2005, 2007 und 2009 insgesamt ca. 52.000 € für den Bau und die Ausstattung dieser Schule zur Verfügung stellen.
Persönliche Berichte und zugeschickte Fotos dokumentierten die großen Fortschritte „unseres“ Projektes und überzeugten uns von der Richtigkeit unserer Entscheidung und der Notwendigkeit weiterer Hilfe.

Besuch „unserer“ Schule im Senegal (14. bis 18.01.2012)

Im Laufe der Zeit reifte in mir die Entscheidung, diese Schule selbst zu besuchen und den persönlichen Kontakt zu den dort verantwortlichen Leuten herzustellen. Die Übergabe zumindest eines Teils des durch den Solidaritätsmarsches 2011 erwanderten Geldes wollte ich dort an den Schulleiter übergeben. Nach zahlreichen Impfungen und Vorbereitungen trat ich am 14. Januar meine Reise in den Senegal an.
Zusammen mit meinem Schwager Paul Harlfinger, der bei seinem ersten Urlaub im Aldiana Club in der Nähe von Mbour die Schule kennenlernte, und unserem Freund Mamadou Sy, der aus Mbour stammt und in Paris zu uns stieß, flogen wir nach Dakar, der Hauptstadt des Senegals. Von dort ging es mit dem Auto weiter ins etwa 90 km südöstlich gelegene Mbour, eine Stadt mit über 200.000 Einwohnern, zu unserem Hotel Blue Africa.

Das Leben im Senegal aus nächster Nähe

Nach kurzer Nacht lernten wir am Sonntagmorgen bereits den Direktor und Gründer der Schule kennen, Herrn Diacko Diakathe. Zusammen mit Mamadou, dessen Freund Ada, der uns in der gesamten Zeit mit seinem Auto zur Verfügung stand, besichtigten wir die Stadt Mbour, erlebten städtisches Flair, geplantes Chaos auf dem täglich stattfindenden Markt, buntes Treiben beim Einlaufen der Fischerboote im Hafen der Stadt und intensive Gerüche beim Handeln mit den in der Nacht gefangenen Fischen.

Anschließend verbrachten wir den frühen Nachmittag auf Einladung Mamadous in dessen (Groß)Familie. Wir beobachteten die Vorbereitungen zu einem Festessen, wurden in unterschiedliche Aktivitäten zahlreicher Kinder einbezogen, bestaunten Männer bei anstrengender Klamottenwäsche und stellten fest, dass auch Tiere (Schafe und Ziegen) zum Leben im Innenhof dazugehören. Beim Essen (Curryreis, Hähnchen und Zwiebelgemüse) erfuhren wir noch mehr über Gewohnheiten und Lebensweisen von Afrikanern und Moslems.

Zurück im Hotel verbrachten wir den Abend mit intensiven Gesprächen und Diskussionen über afrikanisches Leben und Treiben in Städten und familiäre Verhältnisse speziell in Mamadous Großfamilie. Außerdem entwickelte sich bereits eine gespannte Vorfreude auf die Besichtigung „unserer“ Schule am nächsten Tag.

Die Schule

Am frühen Montagmorgen fuhren wir (Ada – unser Fahrer, Paul, Mamadou und ich) zunächst durch Mbour, zum Teil über geteerte Straßen, aber auch über unbefestigte und staubige Sand- und Schotterpisten. Auch im Senegal herrscht zu Wochenbeginn viel Betrieb auf den Verkehrswegen: Autos, Calechen (Pferd mit einachsigem Holzanhänger), auf denen alles – auch Schulkinder in Schuluniformen – transportiert wird, Unmengen von Fußgängern, Schafe, Ziegen, Händler mit unterschiedlichen Waren, …

Weiter ging es entlang der Atlantikküste in Richtung Süden, wo an einigen ausgesuchten Stellen Tourismus eine bedeutende Rolle spielt. Als touristische Attraktion empfanden wir die Begegnung mit einigen freilaufenden Affen.

Schon bald bogen wir ab in Richtung Osten und die Spannung wuchs: Wie mag wohl „unsere“ Schule in der Realität aussehen? Zunächst aber lernten wir die Savanne kennen: Die letzte Regenzeit liegt über ein halbes Jahr zurück, Trockenheit bestimmt das Landschaftsbild, es sei denn, dass reichere Bauern mit Elektropumpen ihr Land künstlich bewässern können und Gemüse für die städtische Bevölkerung anbauen. Wir fahren an abgeernteten Hirse- und Erdnussfeldern vorbei, sehen vereinzelte Viehherden, die nach Futter suchen, beobachten Menschen, die in Rundalodörfern (ca. 5 bis 10 runde Lehmhütten mit Palmdächern, in denen jeweils 10 bis 15 Menschen untergebracht sind) leben und entdecken nach ca. 30 Minuten Ruckelpiste in der Ferne die Gebäude und die Mauer der Schule.

Mitten in freier Natur, umgeben von Nomadenherden und vereinzelten Bäumen, sind Gebäude entstanden, wurde ein Brunnen gebaut, mit dessen Wasser in einem Garten Gemüse und Obst erzeugt werden, und wurden zwei Fußballtore aufgestellt, die für reichlich Abwechslung im Schulleben sorgen. An zwei Seiten umgibt eine Steinmauer das etwa zwei Hektar große Gelände. Noch ist es ruhig hier. Unser erster Eindruck: Wahnsinn, unvorstellbar, was mit unserem Geld hier entstanden ist.

Die Schule heute, Quelle: Google-Earth

Die Schule heute: (ca. 2 ha groß)
– 3 Klassenräume mit Büro (unten)
– 3 Klassenräume mit Küche (rechts)
– 7 Toiletten (links)
– 1 Hausmeistergebäude (am Garten)
– Garten mit Brunnen (unten links)
– Fußballplatz mit zwei Toren
– Mauer um das halbe Gelände
Quelle: Google-Earth

Wir werden von Diacko, dem Direktor herzlich empfangen. Über 180 Kinder, je etwa 30 in sechs Unterrichtsräumen, 9 mal 6 Meter groß, ausgestattet mit einfachen Schulmöbeln und den nötigsten Schulmaterialien, arbeiten ruhig mit ihren Lehrern weiter. Wir besuchen jede Klasse, werden in jedem Raum in anderer Form begrüßt: mit der senegalesischen Nationalhymne, auf Französisch, mit dem Versuch eines gemeinsamen „Guten Morgen“, … Ich suche Kontakt zu den Kindern, erkläre auf einer Weltkarte, welche Reise wir hinter uns haben, schreibe auf Englisch einzelne Begriffe auf die Schiefertafel eines Kindes, …. Wir entdecken Kinder, die das Poloshirt unserer Schule tragen, lachende, fröhliche Mädchen und Jungen, überglückliche, zutiefst dankbare Lehrpersonen, ….. In zahlreichen Gesprächen erfahren wir weitere Einzelheiten und lernen das Leben in der senegalesischen Savanne besser kennen und verstehen.

Zunächst einige wichtige Zahlen:

  • Insgesamt werden ca. 360 Kinder in zwei Schichten unterrichtet. Jede Schicht dauert vier Zeitstunden, von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 13.00 bis 17.00 Uhr. Diese Anzahl von Schülerinnen und Schülern erscheint jeden Tag. Die Gesamtzahl ist jedoch deutlich höher, allerdings bleiben immer wieder einige zu Hause, wenn dort wichtige Arbeiten erledigt werden müssen.
  • Die Kinder kommen aus den umliegenden Rundalodörfern und haben teilweise Fußwege von über einer Stunde zur Schule und nach Hause zu bewältigen. Wann immer es möglich ist, holt und bringt der auf dem Gelände der Schule lebende Hausmeister (Schulwächter) viele mit der schuleigenen Caleche.
  • Es handelt sich hier um eine Primarschule, in der die ersten sechs Schuljahre absolviert werden. In jedem dieser sechs Schuljahre gibt es zwei Klassen, wobei uns aufgefallen ist, dass die Altersstruktur durchaus gemischt ist. Es ist hier üblich, dass gute Schüler/innen schnell weiterkommen und Klassen überspringen. Zwischen 50 und 60 % der Abgänger aus den 6. Klassen gehen dann tatsächlich zu weiterführenden Schulen in Mbour – eine stolze
    Quote!
  • Unterrichtet werden die Kinder von insgesamt neun Lehrpersonen, unter ihnen seit einem halben Jahr die erste Lehrerin.
  • Natürlich stehen zuerst die wichtigsten Inhalte im Vordergrund: Schreiben, Lesen und Rechnen. Man orientiert sich dabei jedoch bereits an alltäglichen Gegebenheiten, die auch in der Schule eine wichtige Rolle spielen. Zu nennen sind z. B. folgende Projekte:
    • Wir bauen einen Brunnen und gehen sorgsam mit Wasser um.
    • Wir arbeiten im Garten, erzeugen Grundnahrungsmittel und bereiten daraus einfache Mahlzeiten zu.
    • Zurzeit beginnt man ein neues Projekt: Aus Küken werden Hühner. Dazu hat man vor wenigen Tagen einen Hühnerstall errichtet, in den die ersten 25 Bewohner eingezogen sind.
  • Wie bei uns, steht auch das Fach Sport auf dem Stundenplan. Man spielt nicht nur Fußball, das aber besonders gern. Die Schule verfügt sowohl über eine Jungen- als auch über eine Mädchenmannschaft. Überhaupt ist uns aufgefallen, dass auch in Mbour und am Strand sehr viel Sport betrieben wird. Das Ziel ist klar: Ein Ausnahmesportler (Läufer, Fußballer) werden und ein besseres Leben führen können!
  • Gelände, Gebäude und Einrichtungen liegen, wie bereits erwähnt, mitten in der Savanne. Die nächsten Dörfer sind etwa 500 m entfernt, Nomaden mit ihren Herden bewegen sich häufig in dieser Gegend. Diese Verhältnisse machten und machen es erforderlich, das Gebiet mit einer Mauer zu umgeben und eine Wohnung für einen Schulwächter bzw. Hausmeister mit seiner Familie zu bauen. Nur so ist sichergestellt, dass die Schule unbeschadet bleibt, die Pflanzen im Garten bei Bedarf bewässert und die Tiere versorgt werden.

Partnerschule Senegal

Unterstützung durch den Staat?

Interessant war natürlich auch zu erfahren, welche staatliche Unterstützung diese Schule erfährt. Bauliche Maßnahmen, Ausstattung und Unterrichtsmaterialien interessieren nicht oder kaum. Man macht es sich einfach und unterstützt die durchschnittliche Anzahl der Kinder, die regelmäßig zum Unterricht kommen, mit einem monatlichen Zuschuss von umgerechnet 2 € pro Monat, hier also 720,00 €. Mit diesem Geld müssen alle Kosten, auch die Gehälter der Lehrpersonen gedeckt werden. Ohne weitere Unterstützung ist ein weiterer Ausbau gar nicht möglich, an dringende Reparaturen ist nicht zu denken. Es ist vielmehr zu befürchten, dass langfristig sogar der Hausmeister nicht mehr zu halten ist und damit Tiere,
Garten und letzten Endes auch die Sicherung der Schule gefährdet sind. Das möchte niemand – weder die Lehrpersonen, noch die Kinder und deren Eltern, und ganz bestimmt auch die Bischöfliche Marienschule Mönchengladbach nicht!

Uns fiel es nicht leicht, nach diesen Begegnungen und den unvergesslichen Eindrücken von der Schule Abschied zu nehmen. Wir konnten es aber in der absoluten Gewissheit, vor zehn Jahren eine richtige Entscheidung getroffen zu haben, eine Entscheidung, von der in erster Linie Kinder profitieren, aber nicht nur. Hier wurden zumindest in der Bauphase zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Man denke nur an die Bautätigkeiten oder an die Schreiner, die mit der Herstellung der einfachen Schulmöbel beauftragt wurden. Schließlich ist auch der Hausmeister zu nennen, der sich rund um die Uhr um die Schule kümmert. Vergessen darf man ganz bestimmt aber auch die Lehrer nicht. Wo vor zehn Jahren Diacko Diakathe sich allein um die Kinder kümmerte, helfen ihm heute acht weitere Lehrpersonen beim Unterrichten und Erziehen einer fast fünfzehnfachen Anzahl der ursprünglichen Schülerzahl. Das nennt man wahre „Hilfe zur Selbsthilfe“!

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes im Senegal erkundeten wir die nähere Umgebung unseres Hotels und stellten fest, dass sich zumindest an der Westküste der Tourismus bereits in bescheidenem Ausmaß angesiedelt und die Bevölkerung mit entsprechenden Verkaufsangeboten darauf reagiert hat. Anders als in vielen Urlaubshochburgen sind es hier jedoch besonders die Frauen, die als „fliegende Händler“ unterwegs sind.
Auf der Fahrt zum Flughafen Dakar wurden wir mit einem ganz anderen, aber für Entwicklungsländer typischen Problem konfrontiert: Slums am Rand großer Städte. Es ist nahezu unvorstellbar, unter welch unwürdigen und hygienisch äußerst bedenklichen Zuständen die Menschen hier leben bzw. zu leben versuchen. Um so dringlicher und wichtiger ist es, dafür zu sorgen und mitzuhelfen, dass nicht noch mehr Leute aus den ländlichen Regionen – hier leben sie zwar auch in Armut, aber in der Geborgenheit der Großfamilie – in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Städte abwandern und dort in viel stärkerem Maße um ihr Leben kämpfen müssen.
Der beste Ansatz ist immer noch, in Bildung und Hilfe zur Selbsthilfe zu investieren. Und genau das hat die Bischöfliche Marienschule, in aller erster Linie unsere Schülerinnen und Schüler, durch ihren Einsatz bei den Solidaritätsmärschen und das Sammeln enormer Geldmengen in den letzten zehn Jahren in vorbildlicher Weise getan. Das Geld ist nicht nur dort angekommen, sondern wird auch vollständig und an richtiger Stelle in unserem Sinne eingesetzt. Die Schule ist in ihrer Entwicklung noch lange nicht am Ende. Ein weiterer Ausbau ist erstrebenswert.

Es lohnt sich, in diesem Sinn weiter zu machen! Packen wir es an!


Ansprechpartner/in: Wolfgang Wollenweber

Datum: 11. Juli 2016 - 13:51 Uhr | Update: 23. August 2016 - 17:35 Uhr