Schul-Impuls im November 2020

 

„Das war ja klar!“ – höre ich immer wieder in Gesprächen oder lese ich aus den sozialen Medien heraus. Es war ja klar, dass mit dem Ende der Herbstferien die Corona-Infektionszahlen weiter steigen werden. Es war ja klar, dass wir einen zweiten Lockdown oder ein Lockdown light oder was auch immer für eine Art bekommen werden. Es war ja klar, dass die verantwortlichen Politiker*innen die Zeit nicht adäquat nutzen konnten, um die Schulen auf genau diese Situation vorzubereiten. Es war ja klar, dass die Digitalisierung an Schulen zu kurz gedacht wurde…

Und auch ich ertappe mich dabei, diesen Satzanfang auf den Lippen zu haben, um eine der
Corona bedingten Änderungen in unserem Leben zu verbalisieren.

Alltag? – Fehlanzeige!

Jetzt im November, wenn sonst überall die Planungen für die Advents- und Weihnachtszeit in den Köpfen steckten und den Alltag durch das triste Wetter hindurch zu tragen vermochten – Fehlanzeige. Feiern und Feste, gemütliches Beisammensein – all das ist nun eine Gefahr für
uns und die uns nahestehenden Freunde, Verwandten und Bekannten. Was wir bisher gemeinsam
unternommen haben, tun wir nun allein oder gar nicht. Viele meiner terminlichen Absprachen und
Anfragen für die Zukunft sind entweder in Klammern oder mit Bleistift geschrieben worden und können so leichter gestrichen werden.

Gespür von Gemeinschaft?!

Wenn ich so durch die letzten Seiten des diesjährigen Kalenders blättere, fallen mir mehrere Termine auf, die ich dieses Jahr in dieser provisorischen Weise eingetragen habe: St. Martin, die Adventstage, das Patrozinium der Marienschule am 8.12. und sogar Weihnachten hat schon ein Fragezeichen. Denn das sind alles Tage und Zeiten im Kirchenjahr, welche es uns erschweren, die Hygienevorschriften einzuhalten. Der gemeinsame Laternenumzug fällt schon aus. Gottesdienste finden unter sehr strengen (und sinnvollen) Hygienevorschriften statt.

Aber wenn ich ehrlich bin, fällt es mir schwer, zurzeit ein entsprechendes Gefühl der Gemeinschaft zu ermöglichen und zu erleben: Das Miteinander nicht nur zu sehen, was z.B. auch digital ginge, sondern auch zu spüren. Und damit meine ich nicht nur den fehlenden Hinterkopf, auf den ich normalerweise bei einem Wortgottesdienst oder einer Messfeier schaue, sondern die innere Gewissheit, dass gemeinsam mit anderen etwas unternommen wird. Aber wenn es auch nur dieselbe Richtung ist, in die geschaut wird – so ist das doch schon eine Art von Gemeinschaft, die uns unbewusst verbindet.

#keinebange

Seit den ersten Novembertagen begegnet mir in den sozialen Medien der Hashtag #keinebange, ein kleines Projekt initiiert von Pastoraltheologin Maria Hermann (@maeris), Pastorin Sandra Bils
(@pastorsandy) sowie Pfarrerin Birgit Mattausch (@frauauge). #keinebange kann auch als im Kirchenmilieu allseits bekannte Aufmunterung „Fürchte dich nicht!“ übersetzt werden. Und das sagt uns Gott sowohl im Neuen wie auch im Alten Testament mehr als nur einmal. Sowohl auf Twitter als auch auf Instagram finden sich persönliche und spirituelle Impulse zu diesem Gedankengang, zu denen jede*r mitmachen kann.

Ich bin der Meinung, dass grade in dieser Zeit solch eine Aktion, ein Teilen von #keinebange-Momenten uns gut tun kann. Das Teilen solcher Momente zeigt, dass wir uns in dieselbe Richtung bewegen. Es zeigt, dass Gottes „Fürchte dich nicht!“ auch heute da ist; sei es über die sozialen Medien oder anderswie. Was ist Dein/Ihr #keinebange-Moment?


Ich wünsche Ihnen und Euch in diesem November viel Kraft, Ausdauer und #keinebange-Momente!

Rafał Londo – Schulseelsorger an der Bischöflichen Marienschule

[In unregelmäßigen Abständen versuche ich, für Sie und Euch als Schulseelsorger einen Schul-Impuls zu schreiben.
Gedanken, die mich in der heutigen Zeit bewegen und die ich teilen möchte.]

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